Heiliges Reden und die heilige Zuhörerschaft

Als Priesterinnen und Priester der dunklen Göttin Cerridwen bieten wir eine Kunst an, die sich die heilige Zuhörerschaft nennt. Es geht darum, einen heiligen Raum und eine Herzensverbindung zu schaffen, wo sich ein Mensch komplett sicher und angenommen fühlt.

Oftmals tragen wir über viele Jahre eine enorme Last auf unseren Herzen, die irgendwann so schwer wird, dass wir entweder Gefahr laufen, daran zu zerbrechen oder endlich den Mut haben uns wieder zu öffnen und unser Leid rauszulassen. Dies geschieht durch die Art des heiligen Redens. Reden kann eine unendlich befreiende Wirkung haben. Und es kann unendlich heilsam sein, die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Menschen zu haben, der nicht da ist, um zu reagieren, um uns Ratschläge zu geben, oder uns zu korrigieren, sondern welcher einfach nur den Kelch der Liebe hochhält, so dass wir über die tiefen Verletzungen des Lebens, endlich, sprechen können!

Dies bewirkt oftmals eine neue Offenheit dem Leben gegenüber. Denn wie oft passiert es, dass wir denken, einen gewissen Schmerz einfach nicht auszuhalten und ihn tief in uns vergraben, wegschließen oder versuchen ihn mit Substanzen oder anderen Dingen, zu betäuben? Das heilige Reden, kann ein erster Schritt der Heilung sein, indem wir endlich den Mut haben, in einem heiligen Rahmen mit dem Gegenüber eines heiligen Zuhörers, unserem Seelenleid Ausdruck zu verschaffen.

Ich möchte hier aber gerne zwischen zwei Arten von Reden unterscheiden. Für mich gibt es die Kunst des heiligen Redens, und die des normalen Mitteilens.

Das eine ist für mich zutiefst heilsam, weil es hilft, wieder für die Heilungsströme des Lebens zugänglich zu werden. Denn wenn wir komplett abgeriegelt sind, bewirkt dies oftmals einen Stillstand im Status Quo.

Dann gibt es ein reden, welches nicht viel mit den oben genannten Qualitäten zu tun hat. Vielmehr dient es, den Status Quo eher noch zu verfestigen um sich in einer Opferrolle gefangen zu halten. Wir benutzen sozusagen unsere schwere Lebensgeschichte um Aufmerksamkeit, Liebe und Bestätigung zu bekommen. Diese negative Geschichte ist so Teil unseres Selbstbildes geworden, dass wir gar nicht mehr wüssten, wer wir eigentlich wirklich sind, wenn wir nicht immer die gleiche Leidensgeschichte wiederholen würden.

Ich bin deswegen auch kein großer Freund von manchen Redezirkeln, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass sie uns eher in einer Opfermentalität gefangen halten, wenn wir nicht sehr aufpassen, aus welchen Motivationsgründen wir unsere Geschichte vor einem so großen “Publikum” präsentieren.

Heiliges Reden findet deshalb für mich wirklich nur im geschlossenen Rahmen zwischen zwei Seelen und unter vier Augen statt. Hierfür ist es gleichgültig ob sich eine solche Herzensverbindung innerhalb einer Sekunde von Bruchteilen, mit einer wildfremden Person, an einer Bushaltestelle ergibt oder irgendwo in einem Tempel, oder einem gemieteten Raum.

Als Priester/innen der Cerridwen ist es sehr wichtig starke Grenzen zu haben. Wir sollten nicht denken, dass wir nun immer und überall ein offenes Ohr haben müssten. Immer parat, immer bereit!

Ich habe es oftmals erlebt, und ich denke es hat auch ein wenig mit einem Mangel an Respekt zu tun, dass sich manche Menschen denken, ach die ….. ist ja jetzt eine Priesterin der Cerridwen, ihr kann ich nun ungefragt, in beliebiger Länge, zu jeder Tages- und Nachtzeit mein ganzes Herz ausschütten. Auch wenn das jetzt vielleicht ein bisschen hart klingt, aber die Kunst der heiligen Zuhörerschaft, hat nichts damit zu tun, dass wir zu emotionalen Abfalleimern degradiert werden, wo man, wann immer einem danach ist, seinen Ballast abladen kann. Heilige Zuhörerschaft braucht einen heiligen Rahmen und dieser muss von beiden Seiten, einvernehmlich, gewährt werden.

Wenn du also einen Bedarf für eine heilig Zuhörerschaft hast, dann stelle eine Anfrage, höflich und respektvoll und sie wird mit Sicherheit gewährt. Seid gesegnet,

Ana von Avalon
28.03.19

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